Die Presse!

 

Presseberichte:

 

 

 

EMC Bericht:

Berner Zeitung BZ vom 14.5.2001

Stichflamme im Dachstock

Wie kommerziell darf oder muss Kultur heute sein? Diese Frage sorgte am Wochenende für Zoff in der Reitschule.

Junge Punks kappten am Freitag-abend den Strom, der die Techno-Party der kommerziellen Messe Electronic Music Convention (EMC) mit Dezibel versorgt hätte.

Grund: Ein Nokia-gesponserter Anlass dürfe nicht im Dachstock der Reitschule stattfinden. Bei den folgenden Schlägereien zwischen Punks und Leuten der Veranstaltungsgruppe gab es Verletzte, die «Electronic Dub Night» vom Samstag wurde ins Bierhübeli verlegt. Dem Ereignis liegt ein Wertediskurs zugrunde, der das alternative Lager spaltet und ein zeitgemässes Angebot verhindert. 

 

 

Wird der «Underground» ausverkauft?

Die Musik-Events der kommerziellen Messe EMC (Electronic Music Convention) fanden nicht in der Reitschule statt: Punks kappten die Stromleitungen, Leute wurden spitalreif geschlagen. Brennt Bern?


Nein, Bern brennt nicht. In Bern schwelt nur derselbe Konflikt wie in allen anderen Institutionen der Alternativ-Kultur: Soll man hippe Kultur machen und dafür alle Bedenken gegen grosse Plattenfirmen, globalisierende Sponsoren und andere kapitalistische Kultur-Förderer fallen lassen, oder bleibt man beim politisch korrekten Nischenprogramm? Da scheiden sich die Geister in den Tempeln der zum Stillstand gekommenen Bewegung. Und in ihrem Umfeld.

 

Generationenkonflikt


Auf dem Vorplatz der Reitschule brannten am Samstag- abend ein paar Feuerchen. Hunde tollten herum, junge Punks hielten die Stellung. Gute Laune da draussen und drinnen: gähnende Leere. «Sorry about: Mad Professor and Lee Scratch Perry perform at Bierhübeli, up the road» hiess es auf einem eilig an die Tore gehefteten Zettel. Am Vorabend hatten die Punks die «Electronic Night» mit DJs aus Grossbritannien und Deutschland erfolgreich verhindert. Nachdem die Stromkabel gekappt waren, kam es zu heftigen Schlägereien. Gegenüber standen sich die radikal linken Kids und Leute der Dachstock-Veranstaltergruppe.
Grund für den Zoff: die Musik-Events, die dieses Wochenende im Rahmen der kommerziellen Messe EMC (Electronic Music Convention) in der Reitschule hätten stattfinden sollen. «Dass der Dachstock eine Partynight für Technofreaks mittragen hilft, finden wir unzumutbar», schreiben die Punks in ihrem Flyer, «finanziell unterstützt werden die EMC Nights auch von Nokia. Und so eine Veranstaltung findet im Dachstock statt? Was zu viel ist, ist zu viel!» Auch für Aktivist Giovanni «Fashion» Schumacher (40), nicht nur in Bern eine linke Institution, ist es klar, dass die EMC-Nights verhindert werden mussten. «Es ist eine Wertediskussion, die da eskalierte», erklärt er, «die Veranstaltungsgruppe war im Vorfeld selbst gespalten, die Kids, die die Veranstaltungen schliesslich verhinderten, kamen aber von aussen. Pfründenverteidigungsmentalität trifft da auf ein wieder wachsendes Bedürfnis nach Freiräumen - ein Generationenkonflikt.»

 

Wertewandel


Was «Fashion» bedauert, ist die Art, wie dieser Konflikt am Freitagabend ausgetragen wurde: «Diese Mackerrituale, die da abgingen - von beiden Seiten her - das ist einfach Scheisse. Wir brauchen wieder mehr Raum für Diskussionen, wie früher, als wir das selbstverständlich als Teil des Kulturlebens betrachteten.» Für Giovanni Schumacher ist der Schwelbrand, der nun eine Stichflamme gemacht hat, eine alles fressende Gefahr. «Das Kulturverständnis wird heute gar nicht mehr hinterfragt», konstatiert er, «das sieht man etwa am Umbau der Reitschule - da fragt niemand, was wir da für eine Ästhetik präsentieren. Und dann das Kulturangebot der Reitschule: es hat heute Preise, die viele Leute ausschliessen.»
Anders sieht Michel Dubler, Betreiber der DJ-In-Store «Soundwerk» in der Matte und technischer Leiter der Messe EMC Switzerland, das Ganze. «Die Vorfälle in der Reitschule haben uns rund 1000 Tickets à 35 Franken, also brutto 35 000 Franken Verlust verursacht. Wer zahlt das? Die Reitschule? Es ist Zeit, dass man dort aufräumt mit gewissen Ideen. Wer so viel Geld vom Staat nimmt, zum Beispiel für den Umbau, darf nicht einfach seinen eigenen Groove weiterpflegen - sonst müsste er nämlich selbst sein Dach flicken!» Dass Kultur Geld kostet und nicht für alle erschwinglich ist, ist für Dubler «einfach ein Fact». Politische Bedenken hat er nur, was die staatliche Subventionspraxis betrifft, die die Elektronik-Szene seiner Meinung nach eher stiefmütterlich behandelt.

 

Papstbesuch


Auch das Publikum, das die nächtlichen Elektronik-Events in beachtlicher Zahl angezogen hat - im Gegensatz zur Messe tagsüber -, interessiert sich kaum für politische Fragen und zeigte sich extrem unkritisch. Nach einem langen lokalen DJ-Set und der grosskotzigen Performance seines Schützlings Mad Professor, hüpfte Lee «Scratch» Perry um 0.30 Uhr auf einem Bein ins Rampenlicht. Der Erfinder des Dub und somit Vater der elektronischen Musik beugte sich tief hinunter über den Bühnenrand - nicht, um die bernische Erde zu küssen, sondern um sich seinen Joint anzünden zu lassen. Der fiel dem 65-Jährigen mehrmals aus der Hand, wie auch das Amulett, an das er sich klammerte. Nur das Mikrofon hielt er fest, im Wissen, dass er hier war, um zu singen. Zu fisteln. Zu raunen. Nach ein paar Takten aus ein paar altbekannten Stücken wars auch schon vorbei. Assistiert von Mireille, seiner jungen Frau, die er einst fast totgeschlagen hat, verliess der Papst der Drum'n'Bass-Gemeinde den Ort des Geschehens. «Keep On Movin'!» rief er noch über die Schulter zurück - früher ein Hit, jetzt ein Hohn. Niemand pfiff. Man tanzte weiter zum Sound der Freestyler, die sofort die Bühne enterten.

nach oben

 

 

 

AJZ Bern

20 Minuten vom 1.6.2001

Gummischrot und Tränengas

BERN - Die Stadtpolizei Bern hat in der Nacht zum Freitag eine unbewilligte Demonstration mit Tränengas und Gummigeschossen aufgelöst.

Nach Mitteilung der Polizei hatten 50 bis 70 Demonstranten zuvor in der Innenstadt Sachbeschädigungen angerichtet, den Verkehr behindert und die Polizei mit Flaschenwürfen angegriffen. Zur Kundgebung aus dem Umfeld der Reithalle kam es gegen 23.00 Uhr am Donnerstagabend.

Anlass war laut Polizei die Kontroverse um eine Notschlafstelle, auf die nach Darstellung der Demonstranten am vergangenen Wochenende ein faschistisch motivierter Brandanschlag verübt worden ist. Die Stadtbehörden hatten den Zwischennutzungsvertrag für die Liegenschaft kurzfristig gekündigt.

 

20 Minuten vom 5.5.2001

Begert beharrt auf Kündigung

BERN – Die Berner Gemeinderätin Ursula Begert beharrt auf der Kündigung der ehemaligen Notschlafstelle an der Hodlerstrasse.

«Die juristischen Fragen wollen wir noch genau abklären», erklärte die SVP-Magistratin.
 
Ursula Begert betonte, dass es für die Brandanschläge vor zehn Tagen keinen Beweis für eine von den Besetzern behauptete rechtsextreme Täterschaft gebe. Das AJZ im ehemaligen Sleeper ist seit der Kündigung am letzten Donnerstag verbarrikadiert. Mit der Räumung durch die Polizei ist in Bälde zu rechnen.

 

20 Minuten

116 Festnahmen bei Demo

BERN - Bei einer gewalttätigen Demonstration in Bern wurden 116 Personen festgenommen.

Die Demonstranten warfen Molotow-Cocktails, Steine und Farbbeutel. Sie beschädigten Gebäude und Fahrzeuge. Der neuerliche Protestzug durch die Altstadt richtete sich gegen die Kündigung einer von jungen Leuten genutzten Liegenschaft.Die Berner Stadtpolizei setzte Tränengas und Gummischrot ein. Ein grosser Teil der Demonstranten flüchtete darauf in das Matte- Quartier. Dort gelang es den Beamten, rund 50 Demonstranten einzukreisen und festzunehmen.

Insgesamt wurden 116 Personen festgenommen. 41 davon seien Jugendliche, teilte die Polizei am Sonntagmorgen mit. Der Grossteil der Festgenommenen stammt aus dem Kanton Bern. Es befanden sich aber auch Personen aus den Kantonen Zürich, Basel und Aargau darunter.Die Polizei stellte Molotow-Cocktails, Schlagstöcke, Messer Baseball-Schläger, Flaschen, Steine und Gasmasken sicher. Über die Höhe der Schäden konnte die Polizei am Sonntag noch keine Angaben machen.Neben Beschädigungen an Gebäuden wurden Kehrichtkübel angezündet, eine Schaufensterscheibe eingeschlagen und an diversen Fahrzeugen die Rückspiegel abgeschlagen.

Bereits in der Nacht auf Freitag war es in der Berner Innenstadt zu einer unbewilligten Kundgebung und zu Sachbeschädigungen gekommen. Daran hatten laut Polizeiangaben zwischen 50 und 70 Leute aus dem Umfeld der Reithalle teilgenommen.


 

Bernerzeitung BZ vom 9.6.2001

krawalle wegen Hodlerstrasse

Schwere Vorwürfe nach der Demo gegen Polizisten

Chaoten wüteten, Scheiben gingen in die Brüche. Doch auch Polizisten müssen sich nach der Demo vor einer Woche Vorwürfe gefallen lassen. Einige seien allzu hart vorgegangen. Eine Untersuchung läuft.

 Christian Werder

«Mit Freude, wie mir schien, schlugen sie mit ihren Schlagstöcken auf mich ein. Mit Fusstritten und Schlägen wurde ich traktiert, obwohl ich in keiner Weise Gegenwehr leistete und ihnen dies auch laut sagte», schreibt A. W. in einem Leserbrief an diese Zeitung. Zu dieser Begegnung mit der Polizei soll es anlässlich der «Sleeper»-Demo vom letzten Samstag gekommen sein. In einem zusätzlich beigelegten «Gedankenprotokoll» erinnert sich A.W. zudem an folgende Szene: «Als ich am Boden lag, packte mich ein Polizist an den Haaren und schlug mir den Kopf auf den Asphalt. Darauf hielt mich einer fest, während mindestens ein weiterer auf mich eintrat und mit dem Schlagstock auf mich einschlug.»
Der 20-jährige A. W. (richtiger Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt) betont auch im persönlichen Gespräch immer wieder, er habe nie Gewalt angewendet und sich nicht gewehrt, als ihn die Polizisten nach 21 Uhr an der Sulgeneckstrasse in die Mangel nahmen.

Erst Spital, dann Anwalt
Nach dem Abtransport auf den Polizeiposten am Waisenhausplatz und der polizeilichen Einvernahme wurde der junge Mann um etwa 2.30 Uhr entlassen. Doch damit war der Fall für ihn nicht abgeschlossen. Umgehend meldete er sich im Inselspital. Er liess sich untersuchen und ein ärztliches Attest ausstellen. Befund: unter anderem eine Prellung und eine Schwellung an der linken Schläfe, verschiedene Prellungen im Bereich des Rückens sowie ein «diffuser Klopfschmerz im Bereich des Rückens». Vorgestern Donnerstag hat A. W. einen Anwalt aufgesucht. «Wir haben eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht», erklärt er. Er hoffe in diesem Zusammenhang, dass sich jener unbekannte Mann bei den Medien oder der Polizei melde, der den ganzen Vorfall offensichtlich als «unbeteiligter Augenzeuge» mitverfolgte und sich bei den Polizisten beschwerte.

Vorfall ernst genommen
Nachdem die Polizeispitze gestern mit dem Inhalt des Briefes konfrontiert wurde, hat sie sogleich gehandelt. Noch am Nachmittag wurden die zuständigen Detachementchefs zu einer Besprechung einberufen. Daniel Blumer, Kommandantstellvertreter der Stadtpolizei Bern: «Dies ist ein ernst zu nehmender Vorfall, falls er sich so oder ähnlich zugetragen hat. Der Fall wird untersucht.» Für Blumer ist klar, dass der Brief (er wurde ihm ohne Namensangabe vorgelegt) «seriös» scheint. Und er betont: »Ich verurteile jegliche Übergriffe!»

Bei Polizei melden
Der Kommandantstellvertreter ruft in diesem Zusammenhang den Briefschreiber auf, sich bei ihm zu melden. «In einem persönlichen Gespräch», so Blumer, «können wir die Situation wohl am raschesten aufklären.» Und: Auch der Augenzeuge solle ihn kontaktieren.  

nach oben

 

Göteborg!

20 Minuten vom 15.6.2001

Krawalle in Göteborg

GÖTEBORG - Am Rande des EU-Gipfels in Göteborg ist es am Freitag erneut zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen.

Bei schweren Strassenkrawallen wurden auf beiden Seiten mehrere Personen verletzt.

Vermummte Gipfel-Gegner schleuderten Pflastersteine gegen die berittene Polizei, wie Augenzeugen berichteten. Im Zentrum der schwedischen Stadt seien zahlreiche Schaufenster eingeschlagen und das Strassenpflaster an mehreren Stellen aufgerissen. Militante Demonstranten hätten auch mindestens einen grösseren Brand gelegt, hiess es weiter.

Mehrere tausend Teilnehmer einer friedlichen Kundgebung gegen den EU-Gipfel riefen ihrerseits in Sprechchören zur Einstellung der Gewalt auf. Im Radio hiess es, die Polizei versuche mit einem massiven Vorgehen möglichst alle an den Krawallen beteiligten Demonstranten dingfest zu machen.

Das Stadtzentrum von Göteborg wurde weitgehend für den Autoverkehr gesperrt. In der Nacht hatte die Polizei nach den ersten Auseinandersetzungen mit Demonstranten Verstärkung aus ganz Schweden angefordert. Bis Freitagmorgen wurden bereits 240 Menschen festgenommen.

 

 

Sonntagszeitung vom 17.6.2001

Polizei schiesst auf Demonstranten

Nach den Ausschreitungen am EU-Gipfel in Göteborg: Der schwedische Polizeichef verteidigt das harte Vorgehen

VON JONAS B. SVENSSON

Göteborg - Die Polizisten fühlten sich bedroht. Steinewerfende Chaoten provozierten sie. Da zogen sie ihre Waffen - und zerschossen den Traum eines friedlichen Europas.

Die Proteste waren im Lauf des Freitags eskaliert. Von den insgesamt 25 000 Demonstranten waren nach Angaben des schwedischen Justizministers Thomas Bodström rund 200 Chaoten, «die aus einem Grund gekommen sind: zu kämpfen, zu zerstören und zu randalieren».
Plötzlich ging am Freitag abend im Pressezentrum die Nachricht wie ein Lauffeuer herum, es seien Schüsse gefallen, was wenig später bestätigt wurde. Die Bilanz: Drei verletzte Demonstranten, davon schwebte einer am Samstag noch in Lebensgefahr. Von den insgesamt 600 Festgenommenen befanden sich nach offiziellen Angaben am Samstag noch 60 in Polizeigewahrsam. Die meisten davon seien Dänen, sagte ein Polizeisprecher. Aber auch Deutsche, Finnen und Norweger waren darunter. Nach dem Ende des EU-Gipfels in Göteborg hat die schwedische Polizei am Samstagabend etwa 100 Teilnehmer einer spontanen Demonstration auf einem Platz eingekesselt. Die Veranstaltung sei nicht genehmigt gewesen, hiess es seitens der Polizei.

Als die Lage eskalierte, waren die schwedischen Beamten überfordert

Dabei hatten die Schweden alles versucht, um den Gipfel friedlich über die Runden zu bringen. Am Mittwoch hatte sich Ministerpräsident Göran Persson mit rund 400 EU-Gegnern in Göteborg zu einer Diskussion getroffen. Zudem organisierte die Regierung Turnhallen, in denen die Demonstranten ihr Nachtlager aufschlagen konnten. Die Polizei wurde zu grösster Zurückhaltung ermahnt. Als die Lage eskalierte, schienen die Beamten dem Treiben hilflos zuzusehen. Mit schwarzen Masken vermummte Chaoten warfen Fensterscheiben ein und setzten das Mobiliar von Strassencafes in Brand.
Den Griff einiger Polizisten zu ihren Waffen am Freitagabend werteten Beobachter schliesslich als Hilflosigkeit. Und die Signale, die sie damit setzten, waren verheerend. «Wir können eine Demokratie nicht verstehen, die eine Armee gegen uns einsetzt», sagte der 20-jährige Demonstrant Tom Eriksen.
Der schwedische Polizeichef Sten Heckscher wies Kritik am Polizeieinsatz zurück. Die Polizei habe fantastische Arbeit geleistet, sagte er am Samstag vor der Presse. Zwar habe es Vorfälle gegeben, die er auch lieber nicht gesehen hätte. Aber die Polizei habe sich gegen die Gewalttäter hervorragend behauptet, den sicheren Ablauf des Gipfels garantiert und auch Demonstrationen friedlicher Gruppen ermöglicht.
Die schwedische Polizei hatte nach den Krawallen die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht. Um die Einreise weiterer gewaltbereiter Demonstranten zu verhindert, wurde das Schengener Abkommen ausgesetzt und wieder Grenzkontrollen eingeführt. So wurde laut Angaben der Polizei eine Fähre mit 500 Anarchisten aus Dänemark gestoppt.
Insgesamt wurde die Zahl der angereisten Demonstranten auf 25 000 geschätzt. Die EU will nun dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Die Staats- und Regierungschefs verständigten sich darauf, dazu eine Arbeitsgruppe aus Innen- und Aussenministern einzusetzen. Die Minister sollen Vorschläge erarbeiten, wie Ausschreitungen bei EU-Gipfeln verhindert werden können. Angehören sollen der Arbeitsgruppe die Ressortchefs der vergangenen, derzeitigen und kommenden EU-Präsidentschaften - demnach Frankreich, Schweden und Belgien

 

20 Minuten vom 16.6.2001

Polizei schiesst auf Demonstrante


GÖTEBORG - Unter dem Eindruck der gewaltsamen Proteste gegen den EU-Gipfel sind die Staats- und Regierungschefs der EU zu ihrer Abschlusssitzung zusammengekommen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilte die Krawalle mit scharfen Worte. "Das sind Verbrechen und Verbrecher, die das tun", sagte er. Die EU-Chefs wollten am Mittag mit ihren Kollegen aus den Beitrittsländern zusammenkommen, um ihren Willen zu einer zügigen Erweiterung zu bekunden.

Im Verlauf der Ausschreitungen am Freitag waren drei Demonstranten durch Schüsse verletzt worden, einer von ihnen schwer. Die Polizei soll Berichten zufolge das Feuer auf die Demonstranten eröffnet haben, um sich zu verteidigen.

Wegen der Krawalle reiste der schwedische Justizminister Thomas Bodström von Stockholm nach Göteborg. Er machte vor allem ausländische Demonstranten für die Ausschreitungen verantwortlich. Bodström zufolge wurden seit Donnerstag 400 Personen festgenommen. 40 müssen mit Strafanzeigen rechnen.
Schröder forderte am Samstag bei seinem Eintreffen am Konferenzort erneut, den Kriminellen müsse mit aller Härte entgegengetreten werden. "Sie müssen spüren, dass der Rechtsstaat sich von ihnen nicht auf der Nase herumtanzen lässt."

Schröder bezeichnete die Gewalttäter am Freitagabend als Desperados, die keine politischen Ziele verfolgten und mit Argumenten nicht erreichbar seien. Er forderte die friedlichen Demonstranten mit politischen Anliegen auf, sich von ihnen nicht länger missbrauchen zu lassen. Bundesaussenminister Joschka Fischer warnte indes: "Man darf die Auseinandersetzung mit berechtigten Anliegen junger Menschen niemals aufgeben, das sage ich gerade vor dem Hintergrund meiner eigenen Biografie."

Unter den militanten Demonstranten waren offenbar zahlreiche Deutsche. Auch ein Ausreiseverbot für militante Demonstranten schloss Schröder daher künftig nicht aus. Alle Möglichkeiten müssten geprüft werden. "Darüber werden sich die Innenminister verständigen müssen", erklärte er.
nach oben

 

Farbanschlag!

20 Minuten vom 17.6.2001

Farbanschlag auf schwedische Botschaft

BERN/ZÜRICH - Rund 100 Personen haben am Samstagabend in Zürich vor dem schwedischen Konsulat gegen das Vorgehen der Polizei am EU-Gipfel in Göteborg demonstriert.

In Bern verübten Unbekannte am Sonntagmorgen einen Farbanschlag auf die schwedische Botschaft.

Die Zürcher Demonstration, zu der sich am Samstag gegen 19.30 Uhr rund 100 Personen versammelten, verlief friedlich, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Es sei zu keinen Sachbeschädigungen gekommen.

In Bern warfen sechs Vermummte warfen laut einem Augenzeugen am Sonntag um 5.30 Uhr mehre Farbbeutel auf die Kanzlei der schwedischen Botschaft, wie Beat Gross, Sprecher der Stadtpolizei Bern auf Anfrage sagte. Die Aktion habe nur wenige Sekunden gedauert.

In einem Communiqué bekennt sich ein "Kommando Anarchistische Stadtverschönerung" zu dem Anschlag. Die Aktion solle den "Unmut über das brutale Vorgehen" der Polizei anlässlich der Demonstrationen gegen den EU-Gipfel in Göteborg am Samstag ausdrücken, insbesondere über den Schusswaffeneinsatz.

Nachdem am Samstag Hinweise auf eine Besammlung von Globalisierungsgegnern bei der Botschaft eingegangen seien, habe die Polizei am Abend ein Sicherheitsdispositiv erstellt, sagte Gross. Das Gebäude sei die ganze Nacht über bewacht gewesen. Ein blitschneller Farbanschlag lasse sich dennoch kam verhindern.

 

News.ch vom 17.6.2001

Farbbeutelaktion auf die schwedische Kanzlei

Bern - Sechs Vermummte haben am frühen Morgen die Kanzlei der schwedischen Botschaft in Bern mit Farbbeuteln beworfen. In einem Communiqué bekennt sich ein «Kommando Anarchistische Stadtverschönerung» zu dem Anschlag.

Die Aktion solle den Unmut über das Vorgehen der Polizei gegen Globalisierungsgegner am EU-Gipfel in Göteborg ausdrücken, insbesondere über den Schusswaffeneinsatz. Der Farbbeutelaschlag gelang, obwohl ein Sicherheitsdispositiv der Polizei um das Gebäude erstellt worden war.

nach oben